A. Kolping und sein Werk

Die Geschichte des Kolpingwerkes
(entnommen dem Leitbild des Kolpingwerkes Deutschland)

Für nahezu ein Jahrhundert bleibt der Verband durch die Zielgruppe der ledigen Handwerksgesellen und die Grundlinien der praktischen Verbandsarbeit geprägt. Die beruflich bedingte Wanderschaft führt die Gesellen in viele Gesellenvereine. Weite Verbreitung finden die Einrichtungen wie Gesellenhäuser, Spar-, Kranken-, Sterbekassen. Weitere Gesellenvereine entstehen ortsbezogen, die Verbandsstruktur mit Diözesan- und Zentralverbänden bildet sich heraus. Der kath. Gesellenverein versteht sich als Teil der kath. Sozialbewegung; er steht damit in den damaligen Auseinandersetzungen um Sozialpolitik, Handwerksorganisation und Gewerkschaftsfrage.

Nach dem 1. Weltkrieg wirken sich die allgemeinen Demokratisierungskolpingwerktendenzen auch im Verband aus; so erhalten die Gesellen weitere Mitwirkungsmöglichkeiten.
Mit der Machtergreifung durch den Nationalsozialismus wird die Verbandsarbeit behindert, zum Teil verboten.
Viele Kolpingsfamilien ziehen sich in den innerkirchlichen Raum zurück, in der DDR bis zum Fall der Mauer.
Nach 1945 beginnt der Neuaufbau in der Bundesrepublik Deutschland auf neuen Fundamenten, wie sie bereits 1933 grundgelegt worden sind.
Neben dem Gesellenverein (Gruppe Kolping) steht jetzt die Gruppe Altkolping, frühere Ehemalige, die bis dahin aufgrund von Heirat und wirtschaftlicher Selbstständigkeit aus dem Verband ausscheiden mussten. Beide Gruppen bilden die Kolpingsfamilie. Ein besonderer Wandlungsprozess prägt seither die Verbandsgeschichte.
Zunehmend finden Menschen, die nicht zur traditionellen Zielgruppe gehören und aus unterschiedlichen Berufen und sozialen Schichten kommen, Interesse an der pfarrbezogenen Kolpingsfamilie. Diese versteht sich jetzt als familienhafte und generationsübergreifende Gemeinschaft.
Eine weitere Öffnung erfolgt durch die Gründung der Gruppe Jungkolping und Aufnahme weiblicher Mitglieder im Jahre 1966. Auf dem Hintergrund gesellschaftlicher und kirchlicher Wandlungen hat sich dieser Prozess in den Kolpingsfamilien entwickelt und dann durch Programm und Satzung seiner verbandliche Absicherung gefunden.
Mit der Beschlussfassung über die “Aktion Brasilien” 1968 erfolgt eine rasche Ausbreitung des Verbandes im internationalen Bereich. Weltweit gelingt es, die Ideen Kolpings in unterschiedlichen Nationen und Kulturen umzusetzen und wirksam werden zu lassen.
Seit der Wiedervereinigung 1990 besteht das Kolpingwerk Deutschland wieder als gesamtdeutscher Bundesverband.